Interview mit Miranda Kura

Zur Unterstützung der Mobilisierungsarbeit zum A/ITJ ist es uns gelungen, eine ganz besondere Interviewpartnerin zu gewinnen. Zwar war es leider nicht möglich, die große Vordenkerin des Linkstreffmismus, Colina Turnowa, zu erreichen, da sie sich zur Zeit auf einer längeren Vortragsreise befindet. Dafür stand uns ihre langjährige Mitarbeiterin und Weggefährtin Miranda Kura Rede und Antwort. Schon an dieser Stelle geht ein lustvolles Dankeschön an Miranda.

TAM: Miranda, du bist seit den allerersten Anfängen des Treffmismus in der Bewegung dabei. Das A/ITJ gibt es aber dieses Jahr erst zum vierten Mal. Wie steht eine treffmistische Vorkämpferin zu einer solchen Neuerung?

MK: Etwas ganz Neues sind treffmistische Sommercamps ja nun auch wieder nicht. In den späten 90er Jahren, also vor den Auseinandersetzungen um Colinas in „Klasse und Lust“ formulierter Kritik an bestimmten innertreffmistischen Tendenzen, gab es in drei Jahren in Folge ein Treffmisitsches Sommercamp (TS). Diese Camps haben sich aber ganz grundsätzlich vom A/ITJ unterschieden, insofern sie jeden Versuch, marxistische Analyse zu thematisieren, in Lust-Orgien begrub. Ich formuliere gerade etwas polemisch, das ist mir klar. Aber Ich konnte letztes Jahr auf dem A/ITJ in Hannover erfahren, wie treffmistisches Zusammenleben auch aussehen kann. Colinas Kernthese findet einmal mehr Bestätigung, vergleicht mensch TS mit A/ITJ.

TAM: Auch in der II. Inter-/Antinationale (Treffmist_innen) gibt es – gerade unter jüngeren Genoss_innen – Tendenzen, das TS zu mythologisieren. Wie stehst du zu diesen Tendenzen?

MK: Ich bin der Überzeugung, daß dies der Versuch eines Rückschritts in die Barbarei unter dem Mäntelchen des „anarchohedonistischen Linkstreffmismus“ ist. Tendenzen wie diesen werden Colina und ich in unseren Workshops zu „Arbeiter_innenklasse und Orgie“ (Colina) und „Quo vadis, Anarchohedonismus? Fortschritt oder Barbarei“ (meine Wenigkeit) thematisieren und ihnen aufs entschiedenste entgegentreten. Im ganzen ist aber zu konstatieren, dass es natürlich auch im Linkstreffmismus immer Flügelscharmützel geben wird, und dass gerade auch dadurch eine lebendige und lustvolle Diskussionskultur erhalten bleibt.

TAM: Aus treffmistischen Kreisen gab es im Vorfeld der Organisation des A/ITJ Kritik an Workshops wie „Hedonistisches Kochen“ oder „Batiken mit Lust“. Diese würden das treffmistische Projekt ins Lächerliche ziehen und seien überhaupt „untreffmistische Hippie-Scheiße“. Wie stehst du zu dieser Kritik?

MK: In meinen Augen manifestieren sich in dieser Kritik einmal mehr Vereinheitlichungstendenzen, die dem im Treffmismus zu verwirklichenden Lustprinzip widersprechen. Wer sich an der „Hippie-Scheiße“ nicht beteiligen will, muss das ja nicht tun. Ich bin sehr froh, dass sich die TUSsies dafür entschieden haben, keine Zensur zu üben. Ich persönlich werde, wenn es sich einrichten lässt, auf jeden Fall beim Kochkurs dabei sein.

TAM: Neben der Weiterbildung und Diskussion innerhalb der II. Inter-/Antinationale (Treffmist_innen) ist ein Ziel der A/ITJ auch, neue Mitglieder für die treffmistischen Organisationen zu gewinnen. Welche Erfolgschancen siehst du für dieses zweite Ziel beim diesjährigen A/ITJ?

MK: Ganz große. Seit wir verstärkt in die Öffentlichkeit gehen zeigt sich ein erfreulich großes Interesse am Linkstreffmismus – und zwar in ganz Europa. Bisher gibt es auf anderen Kontinenten nur illegal arbeitende T-Zellen. Aber auch für diese stellt ein Großereignis wie das A/ITJ einen enorm wichtigen Ansporn für ihre tägliche harte und gefährlich Arbeit dar. Ihnen gilt unsere lustvolle Solidarität.

TAM: Miranda, vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast!